Im ersten Teil haben wir spezialisierte Softwarelösungen für das Nachhaltigkeitsbilanzierung betrachtet.
Bei ihren Nahhaltigkeitsbemühungen müssen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) jedoch nicht von spezialisierten Lösungen abhängig machen. Viele Unternehmen nutzen andere Systeme oder haben überhaupt keine Software im Einsatz. Bereits vorhandene ERP-Systeme (enterprise resource planning) wie SAP, Odoo, Enablon oder sogar Excel verursachen geringere Kosten und bieten größere Flexibilität. Diese Plattformen sind hochgradig konfigurierbar und deren Benutzung ist den Anwendern in der Regel vertraut.
Plattformübersicht
Werfen wir also einen genaueren Blick auf diese weit verbreiteten Anwendungen:
- Excel: Jeder kennt diese Tabellenkalkulation. Sie ist ideal für Aufgaben, die komplexer sind als sie ein Taschenrechner bewältigen kann. Besonders kleinere Unternehmen setzen Excel für die manuelle Nachverfolgung und Berichterstattung ein. So lassen sich Daten zu Energieverbrauch, CO₂-Emissionen und Lieferkettentransparenz erfassen und auswerten.
- SAP: Dieses weit verbreitete ERP-System unterstützt Unternehmen dabei, Prozesse von der Beschaffung über Produktion und Logistik bis Behördenvorgaben und der damit verdundenen Berichterstattung zu steuern. In Bezug auf Nachhaltigkeit helfen SAP-Module bei CO₂-Bilanzierung, Lieferkettentransparenz und Nachhaltigkeitsberichten.
- Odoo: Der Quellcode dieses ERP-System ist frei auf Github unter GNU-Lizenz verfügbar. Odoo eignet sich besonders für Betriebe mit geringen Margen. Anpassbare Module für Lagerhaltung, Einkauf und Berichte ermöglichen die Erfassung von Nachhaltigkeitskennzahlen, Lieferantenaudits und ökologischen Fußabdrücken.
- Enablon: Diese leistungsfähige Unternehmenssoftware wurde entwickelt, um Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltaspekte (SGU) sowie operationelle Risiken einheitlich zu verwalten. Auch Nachhaltigkeitsbilanzierung ist möglich.
Excel
Excel und Alternativen wie LibreOffice, OpenOffice oder OnlyOffice sind praktisch überall verfügbar und benötigen keine aufwendige EDV-Infrastruktur. Benutzerübersichten, CO₂-Rechner und Formulare zur Dateneingabe lassen sich individuell gestalten. Die Tabellen eignen sich hervorragend zur Datensammlung und -bereinigung vor der Weiterverarbeitung auf zentralen Plattformen wie SharePoint oder anderen Cloud-Lösungen. OnlyOffice bietet sogar eine integrierte Cloud.
Stärken von Excel:
- Günstig: Ideal für KMU oder erste ESG-Schritte.
- Vielseitig: Offenes UI-Design und Makros bieten hohe Flexibilität.
- Schnelle Prototypentests: Leistungsindikatoren und Szenarien lassen sich ohne großen EDV-Aufwand testen.
Fazit: Excel ist ein niedrigschwelliger, konfigurierbarer und schlanker Einstieg in die Nachhaltigkeitsbilanzierung.
SAP
Besonders mit Modulen wie SAP S/4HANA oder SAP Sustainability Control Tower ist SAP eine professionelle Anwendung für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Als integriertes System zieht es Daten aus allen Unternehmensbereichen, wie den Finanzen, dem Einkauf oder der Lieferkette und bietet eine ganzheitliche Sicht. Die Plattform ist auditfähig und konform mit Standards wie CSRD oder GRI.
Stärken von SAP:
- Skalierbarkeit: Für mittlere und große Unternehmen mit komplexen Strukturen geeignet.
- Nachhaltigkeitsschwerpunkt: Nachhaltigkeitsmodule und KI-gestützte Analysen ermöglichen fundierte Prognosen.
Fazit: SAP ist ein leistungsfähiges, unternehmensweites Cockpit für ESG-Tracking.
Odoo
Odoo ist eine flexible Unternehmenslösung mit offenem Quelltext. Für KMU ist die Plattform ein digitales schweizer Taschenmesser. Sie vereint Buchhaltung, Lagerverwaltung, Kundenmanagement, Onlinehandel, Projektmanagement und mehr in einem System.
Stärken von Odoo:
- Modulares System: Man fängt mit einer Anwendung an, wobei ein späterer Ausbau möglich ist.
- Zwei Ausgaben: Man wählt zwischen einer kostenlose Community Version und einer kommerzielle Version mit erweiterter technischer Hilfe.
- Hohe Anpassbarkeit: Dank zahlreicher globaler Entwickler existieren tausende Erweiterungen.
- Zentralisierte Plattform: Es befindet sich alles in einem System, wodurch die Kompatibilität zwischen den Lösungen gewährleistet ist.
Besonders für KMUs ist Odoo eine kostengünstige, umfassende und flexible ERP-Lösung. Weitere Infos: https://www.odoo.com
Enablon
Enablon vereint ESG-, Risiko- und Compliance-Management in einer Plattform. Die Plattform zentralisiert gesetzeskonforme Rückverfolgung, Übersichtsseiten und Leistungsanalysen. Sie damit perfekt für Unternehmen, die Standards wie CSRD oder TCFD einhalten möchten.
Stärken von Enablon:
- Integriert: EHS, ESG, GRC und Operational Excellence in einem System.
- Modular: Tools für Vorfallmanagement, Emissionsverfolgung, Audits u.v.m.
- Echtzeitübersicht: Analysen helfen beim Leistungsvergleich und Risikomanagement.
- Regelkonform: Unterstützt globale Standards und ermöglicht prüffähige ESG-Berichte.
Insbesondere geeignet für Unternehmen mit komplexen Abläufen wie Energie, Chemie oder Industrie.
Fokus auf Schweizer KMU
Schweizer KMU brauchen kosteneffiziente, aber leistungsfähige Tools und müssen sowohl Schweizer als auch EU-Vorgaben einhalten.
Drei Gewinner für KMU:
- Excel (mit Vorlagen)
Die Tabellenkalkulation ist als Standardinstrument immer noch weit verbreitet. Besonders mit vorgefertigten Templates für CO₂-Bilanzen und Berichtertattung nützlich. - Odoo
Die quelloffene ERP-Plattform ist modular und günstig. Sie ist ideal für Unternehmen, die ohne große Lizenzkosten flexibel bleiben wollen. - SAP Business One oder SAP Sustainability Control Tower
SAP ist nicht nur in der Schweiz etabliert. Business One ist KMU-tauglich, das Control Tower-Modul bietet ESG- und CO₂-Tracking.
Fazit
- Excel punktet mit einfacher Handhabung und Flexibilität.
- SAP bietet Skalierbarkeit und tiefe Integration.
- Odoo überzeugt mit offenem Aufbau bei niedrigen Kosten.
- Enablon ist ein High-End-Tool mit entsprechender Komplexität und Preis.
| Tool | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Excel |
|
|
| SAP |
|
|
| Odoo |
|
|
| Enablon |
|
|
Bild: Pixabay
