Nachhaltigkeitsbuchhaltung
Nachhaltigkeitsbuchhaltung bedeutet, die Auswirkungen einer Organisation auf Umwelt und Gesellschaft zusätzlich zur finanziellen Leistung zu messen und zu berichten. Sie geht über die klassische Betrachtung des Gewinns hinaus und hilft Unternehmen dabei, Aspekte wie CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch, Arbeitspraktiken und gesellschaftliches Engagement zu berücksichtigen.
Sie ist ein Versuch, bislang ausgelagerte Kosten in eine umfassendere Bilanz einzubeziehen. Externe Kosten entstehen zum Beispiel im Bergbau, wenn die Rohstoffgewinnung Umweltzerstörungen verursacht. Die Kosten für die Wiederherstellung trägt die Gesellschaft, während Bergbauunternehmen allein vom Gewinn profitieren.
Immer mehr Organisationen wenden Nachhaltigkeitsbuchhaltung an – nicht nur, weil es ethisch sinnvoll ist, sondern weil Investoren, Behörden und Kunden zunehmend Transparenz erwarten.
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Für große Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten in der EU ist Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtend. Dazu zählen auch Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen in diesem Markt anbieten. Die Leitlinien zur Berichterstattung wurden von europäischen Regulierungsbehörden standardisiert (Archivlink).
Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)
Die CSRD ist eine EU-Verordnung, die den Umfang und die Tiefe von Nachhaltigkeitsangaben deutlich erweitert. Ab dem Geschäftsjahr 2024 gilt sie für rund 50.000 Unternehmen. Die CSRD schreibt die Berichterstattung zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) vor.
Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD)
Die TCFD ist ein globaler Rahmen, der vom Financial Stability Board entwickelt wurde. Sie konzentriert sich auf klimabezogene finanzielle Risiken und Chancen. Ihre Struktur basiert auf vier Säulen:
- Führung
- Strategie
- Risikomanagement
- Kennzahlen & Ziele
Beziehung zwischen CSRD und TCFD
CSRDs Anforderungen an Klimaberichterstattung sind im Großen und Ganzen mit den vier TCFD-Säulen abgestimmt. Unternehmen, die bereits TCFD anwenden, sind gut auf die Umsetzung der CSRD vorbereitet. TCFD ist klimazentriert, CSRD behandelt ein breiteres Spektrum inklusive sozialer und Governance-Themen.
CSRD vs. TCFD
| Merkmal | CSRD | TCFD |
|---|---|---|
| Art | EU-Verordnung | Freiwilliger globaler Rahmen |
| Fokus | ESG insgesamt (über ESRS) | Klimabezogene Finanzberichte |
| Kompatibilität | CSRD orientiert sich an TCFD | TCFD-Nutzer sind CSRD-ready |
CSRD vs. ISSB
| Merkmal | CSRD | ISSB (IFRS S1 & S2) |
|---|---|---|
| Rechtsstatus | Verbindlich in der EU | Freiwillig, aber global zunehmend relevant |
| Fokus | Breite ESG-Berichterstattung | Klima & Nachhaltigkeit |
| Zusammenarbeit | Interoperabilität mit ISSB | Hilfen für parallele Berichterstattung |
CSRD vs. GRI
| Merkmal | CSRD | GRI |
|---|---|---|
| Rechtsstatus | Gesetzlich vorgeschrieben | Freiwilliger Standard |
| Umfang | Streng und detailliert | Breite ESG-Metriken |
| Verhältnis | Teilweise basierend auf GRI-Prinzipien | Zur Ergänzung der CSRD |
Umsetzung in der Praxis
Viele Unternehmen gleichen ihre bestehenden TCFD- oder GRI-Berichte mit den Anforderungen der CSRD und ISSB ab. Hilfsmittel wie Interoperabilitätsleitfäden helfen, Überschneidungen zu erkennen und Doppelarbeit zu vermeiden.
Weiterführende Links
- Globaler Vergleich von Klimaberichtspflichten
- Vergleich wichtiger Nachhaltigkeitsstandards (Harvard)
Bild: Pixabay
